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Vegan als Masterplan?

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Im Laden ist es ruhig und es riecht nach natürlichen Produkten. Die Kassiererin zieht die Produkte über das kurze Laufband. Jedes Mal, wenn ein Produkt eingescannt wird, ertönt ein Piep. Lächelnd sagt sie dem Kunden: „9,50 € bitte.“ Der Kunde bezahlt, die Kassenlade klappt auf und das Kleingeld klimpert. Hinter ihm steht nur eine andere Kundin. „Einen schönen Tag noch.“ Die Schiebetür öffnet sich mit leisem Zischen. Im Veggihaus in Bochum ist alles sehr persönlich. Hier wird auf jeden Kunden einzeln eingegangen.

Von außen sieht das Veggihaus in der Bochumer Innenstadt eher wie ein gewöhnlicher Bio-Laden aus. Doch das Veggihaus ist der erste rein vegane Einkaufsladen in Bochum. „Wir wollten einen rein veganen Biomarkt anbieten, um den Kunden das lästige Nachgucken zu ersparen. Die Innenstadtlage erlaubt insbesondere jungen Leuten, den Laden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu besuchen, auch wenn sie aus anderen Städten kommen“, erklärt Besitzer Uwe Klimansky.

Nach ungefähr einem Jahr der akribischen Vorbereitung bereichert das Veggihaus jetzt schon seit dem 08. April 2014 die Bochumer Innenstadt. Der Resonanz nach zu urteilen, hat Uwe Klimansky mit seinem Laden genau den richtigen Riecher gehabt. „Wir haben ganz unterschiedliche Kunden. Junge und ältere, Veganer, Vegetarier und Allesfresser. Viele leiden unter Unverträglichkeiten, die meisten ernähren sich sehr bewusst und kennen sich gut aus.

Der Erfolg des Veggihauses zeigt den Aufschwung der veganen Ernährung in unserer Gesellschaft. Wo vor einigen Jahren eine vegane Ernährung noch mit Vorurteilen gehandhabt wurde, nimmt das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung in den letzten Jahren immer mehr zu. „Die vegetarische Lebensweise stellt einen kulturellen Wandel dar der sich schon seit Jahrzehnten vollzieht und den Mainstream erreicht hat. Dank sozialer Medien wie Facebook, Twitter und YouTube hat dieser Wandel jedoch in den letzten Jahren an Geschwindigkeit gewonnen“, berichtet Anna-Lena Klapp, stellvertretende Pressesprecherin vom Vegetarierbund. (VEBU)

Viele denken, dass eine vegane Ernährung unser einziger Ausweg ist, unsere Erde dauerhaft zu schützen. „Man sagt, dass man als Veganer oder Vegetarier ungefähr 50 Tiere pro Jahre nicht isst. Da hängt natürlich auch einiges an Wasser, Treibhausemissionen etc. dran, weil z.B Getreide viel umweltschonender produziert werden kann als Fleisch“, weiß Britta Helm von PETA2. Tatsächlich wählen laut einer Untersuchung der Universität Hamburg die meisten vegan lebenden Menschen diesen Lebensstil aus ethisch-moralischen Gründen.

Der VEBU geht im Januar 2015 von ca. 7,8 Millionen Vegetariern und rund 900.000 Veganern aus. Einer von ihnen ist auch Uwe Klimansky. „Ich ernähre mich seit einigen Jahren vegetarisch, weil es mir schmeckt und ich mich damit wohlfühle.“ Seine Unterstützung für das Thema spiegelt sich auch in seinem Laden wieder. Wenn man das Veggihaus betritt fühlt man die gleiche Wohlfühl-Atmosphäre und Liebe, wie in einem Tante-Emma-Laden. Das frische Obst und Gemüse steht am Anfang, zwar nur eine kleine Auswahl, doch man findet alle, was man für eine vegane Ernährung braucht und so nicht unbedingt beim Supermarkt um die Ecke findet, wie zum Beispiel frische Artischocken. Auch die Regale sind alle ordentlich eingeräumt. Das vegane Herz findet hier alles was es braucht. Vorne an der Kasse sind vegane Bücher positioniert, unter anderem Kochbücher von dem veganen Starkoch Attila Hildmann.

Um den Laden so in Schuss zu halten ist allerdings auch eine ganze Menge Aufwand nötig. „Morgens um 7 Uhr beginnen wir mit dem Einräumen der neuen Ware, die in der Nacht geliefert wird. Dann bestellen wir Obst, Gemüse und Frischwaren für den nächsten Tag. Dreimal die Woche wird das restliche Sortiment bestellt“, erklärt Uwe Klimansky. Jeden Tag von Montag bis Samstag öffnet das Veggihaus um 9 Uhr. Ab hier sind die Mitarbeiter ganz für die Kunden da. Sie beraten die Kunden und stehen für jede Frage zur Verfügung. Für jeden Kunden nehmen sie sich Zeit und geben auch gerne Tipps.

„Wir kümmern uns um Sonderwünsche, besorgen auch mal ausgefallene Artikel, die wir nicht im Sortiment haben, und sehen zu, dass alle zufrieden sind. Nebenbei versuchen wir ständig unser Sortiment zu verbessern und an der Präsentation der Waren zu feilen“, erklärt Uwe Klimansky stolz.

Nachdem das Veggihaus abends um 20 Uhr schließt, muss der Laden aufgeräumt und das Gemüse und Obst ins Kühllager gebracht werden.

Britta Helm, die sich auch selber vegan ernährt, denkt, dass sich das Bewusstsein einer gesunden Ernährung weiterhin etablieren wird. „Vegane Ernährung ist aktuell auf jeden Fall ein Trend, das heißt aber nicht, dass sie wieder verschwinden wird, sondern dass sie normaler wird. Als „Diät“ wird vegane Ernährung von neuen Trends abgelöst werden, aber der Tierrechtsgedanke wird sich halten und verbreiten.“

Auch Uwe Klimansky ist von der Dauerhaftigkeit überzeugt. „Wenn alte Gewohnheiten in Frage gestellt werden, erzeugt das immer Widerstände. Aber immer mehr Leuten wird offensichtlich klar, dass wir unsere Lebens- und Ernährungsweise dringend überdenken müssen. Mein Eindruck ist, dass das gesellschaftliche Interesse weit größer ist, als das man nur von einer Mode sprechen könnte.“

Für die Experten steht fest, dass der vegane Lebensstil nicht nur eine Modeerscheinung ist. Ein Masterplan eben, um in einem gesunden Miteinander von Mensch, Tier und Natur die Zukunft zu gestalten.

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